1914: text und krieg - krieg und text

Multimediale Inszenierungen für die Ausstellung 1914 im Museum für westfälische Literatur auf dem Kulturgut Nottbeck.

Ausstellungsraum in Nottbeck. (Foto: Adelheid Rutenburges)

Im Jahr 1915 schreibt der expressionistische Schriftsteller August Stramm in einem Feldpostbrief an seine Frau:

  „Du hast mal gesagt, man kann sich alles vorstellen. Du hast Recht. Alles. Aber vorstellen und das Vorgestellte erleben, das sind zweierlei.“

Damit ist ein wesentliches Problem jener Erinnerungskultur benannt, die uns zum einhundertjährigen Jahrestages des Ausbruches des Ersten Weltkriegs mit einer Vielzahl von Veranstaltungen Kriegsleid vor Augen und Ohren stellt. Und da Studierende der Universität die Chance hatten, mit Seminararbeiten zum Thema Erster Weltkrieg in einem Museum an die Öffentlichkeit zu treten, stellte sich auch ihnen die Frage: Wie erleben wir heute einen längst vergangen geglaubten Krieg?

Soldatengrab (von Paul Zech) inszeniert von M. Bailly, B. Heimann, Y. Karakus, R. Vogt und D. Ruddock.

Sprache und Medien prägen Vorstellungen. Und wenn es keine eigenen Erfahrungen gibt, werden die Vorstellungen durch Kriegsmedienwelten angeregt und geformt. Die Aufgabe der Studierenden war es daher, die Dichtersprache von Weltkriegsteilnehmern (August Stramm, Paul Zech und Gustav Sack), jene Sprache, die das Grauen versuchte in Worte zu fassen, zum aktuellen Sprechen und Klingen zu bringen und ins Bild zu setzen. Es sind sehr eigenständige Video- und Audiostücke dabei herausgekommen.

Der Darsteller Henrik Fockel interpretiert "Unsere Nächte haben keine Schreie mehr" & "Schrei".

Seamus Heaney, der irische Lyriker und Literaturnobelpreisträger, wies darauf hin, dass die Kraft der Lyrik durch gelungene Artikulation wirkt. Und so zeigt sich in den gelungenen Videos und Audios diese geheime Kraft wahrer Poesie, die zwar Tragödien zeigt, aber niemals Menschen in Depression entlässt. Vielleicht ist es dieser Effekt, den die alten Griechen Katharsis nannten.

 

1914 ist eine Ausstellung der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Kooperation mit dem Zentrum für Informations- und Medientechnologie der Universität Paderborn im Museum für Westfälische Literatur. Die Austellung 1914: text und krieg - krieg und text lief auf dem Kulturgut Nottbeck bis zum 11.05.2014. Fotoreportage zur Ausstellungseröffnung 1914 auf dem Kulturgut Nottbeck gibt es hier.

 

Thomas Strauch

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