Dokumentarisch Erzählen

Ein Spielfilm basiert zumeist auf einer Idee. Auch wenn ein Regisseur ein zuvor verfasstes Stück Literatur verfilmt, ist der Ausgangspunkt ähnlich. Fiktionale Filme sind im Grunde eine Kopfgeburt.

Collage aus Standbildern der Seminar-Dokuproduktionen 2015.

Ihm gegenüber steht der nichtfiktionale Film. Die Grundidee eines dokumentarischen Films ist viel häufiger eine Begegnung oder Erfahrung. Der Impuls kommt hier sehr stark von Außen und der Inhalt eines  dokumentarischen Films verweist fast immer auf eine Auseinandersetzung des Filmemachers mit der (Um)Welt. „Dokumentarfilm (ist ein) umfassender, allgemeiner Begriff für alle nichtfiktionalen Filme, die sich der Aufzeichnung von Außenrealitäten widmen.“ So wird in James Monacos Lehrbuch „Film verstehen“ diese Gattung definiert.

Viktor ist immer auf der Suche nach dem richtigen Motiv. (Viktor, 12:19 Min.)

Außenrealitäten, denen mussten sich auch die Studierenden des Wintersemester 2014/15 in dem medienpraktischen Seminar „Stadtteil, Dorf und Szeneleben - videografische Spurensuche“ aussetzen. Grundlage der Suche war nur ein Schnipsel aus einer Paderborn-Karte, damit machten sie sich auf den Weg Lebenswirklichkeit im Stadtgebiet Paderborn aufzuspüren und ein dokumentarisches Thema zu finden. Im Ahorn Sportpark wurden einige fündig, andere in der Kneipe Sputnik. Eine Gruppe Studenten folgte einem Tätowierer auf Paderborns Friedhöfen, ein Zweierteam beobachtete den Arbeitsalltag eines Friedhofs-Baggerfahrers, um nur einige Ansätze zu nennen. Einmal auf einen interessanten Menschen oder eine Lebenssituation gestoßen, waren die Studierenden gezwungen sich filmisch damit zu beschäftigen. In die filmische Interpretation einer (möglichen) Wirklichkeit spielen jedoch viele Faktoren hinein. Wahrnehmungsfähigkeit, Lebenserfahrung, das Verhältnis zum Thema oder Protagonisten; alle diese Faktoren können sich in der eigenen Haltung zum Filmsujet wieder spiegeln, die der Filmemacher im Film preisgibt oder im Verlauf der Produktion vielleicht auch erst heraus finden muss.

Cheerleading ist auch Luftakrobatik. (Mermaids - ein Gruppenportrait, 8:13 Min.)

Eine eigene Haltung oder einen Stil bei einem Erstlingsfilm bzw. einer Gruppenarbeit zu finden ist natürlich sehr schwierig. Präzise Beobachtung der Protagonisten und der Lebensräume wurde aber erwartet, denn Dokumentarfilme leben von erzählenswerten Geschichten über Menschen. Für den Dokumentarfilmregisseur Thomas Schadt sind das die Dokumentarfilme, in denen „Motive, Thema und Protagonisten als auch Handschrift und Haltung des Autors () ihren eigenen Ausdruck finden“.

Weitere Dokumentarfilme (teilweise nur in Ausschnitten) können in der Kategorie Filmwelten gefunden werden.

Carsten Engelke

Schadt, Thomas "Das Gefühl des Augenblicks: Zur Dramaturgie des Dokumentarfilms" Bastei Lübbe Taschenbuch, Bergisch Gladbach, 2002, S. 22.

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