Nouvelle Vague in Ostwestfalen-Lippe

Ausbruch aus erstarrten filmischen Mustern – und das in Paderborn? In dem medienpraktischen Seminar "Nouvelle Vague reloaded OWL" drehten begeisterte Studierende der Uni Paderborn Kurzspielfilme in Anlehnung an die französischen Filmemacher der 1950er Jahre.

„Wir können euch nicht verzeihen, dass ihr nie Mädchen gefilmt habt, so wie wir sie mögen, Jungen, denen wir täglich begegnen (...), kurz, die Dinge so wie sie sind.“ Jean-Luc Godards Anspruch an sich und seine Mitstreiter, die Welt mit eigenen und vor allem subjektiven Augen zu betrachten und dieses mit der Kamera fest zu halten, ist der Kern des Versuches, Kurzspielfilme mit ungewöhnlichen Mitteln in und um Paderborn zu drehen.

Zu Beginn des Seminars standen neben einer filmhistorischen Einordnung der Bedeutung der Nouvelle Vague, vor allem Stilanalysen prominenter Regisseure der ’neuen Welle’ auf dem Programm. Neben Jean-Luc Godard wurden auch Szenen von Jaques Rivette, Eric Rohmer, Claude Chabrol und Francois Truffaut in ihren verschiedenen ästhetischen Ansätzen sowie Stilbrüchen und -exzessen betrachtet. Das die Nouvelle Vague nicht als einheitlich stilistisches System, sondern eher als Gegenentwurf des bis dahin gültigen Traditionskinos mit einer signifikanten Akzentuierung der eigenen Autorenschaft zu betrachten sei, wurde den Studierenden schnell klar. Kameratechnische Übungen zu filmischen Gestaltungsmitteln wie Erstellen einer Plansequenz oder Gestaltung einer Dialogszene mit Jump Cuts rundeten den ersten Teil des Seminars ab.

In "Olive der Liebe" entdeckt ein Mann, dass seine Frau ihn betrügt und will sich rächen.

Die Experimentierfreudigkeit der französischen Vorbilder und der eigene Blick auf die Welt waren dann auch die Vorgaben für die Konzeption eines eigenen Spielfilms. So entstanden im Sommersemester 2008 höchst unterschiedliche Filme, u.a. inspiriert von Chabrols sezierenden Beobachtungen der alltäglichen Rituale des französischen Bürgertums, von Godards On/Off-Ton und Montage-Experimenten oder aber dem französischstem Filmthema überhaupt: Der Liebe!


Carsten Engelke

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