Seminar zur Akustischen Kunst - ein Werkstattbericht

Als das Radio in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum beherrschenden Massenmedium wurde, entdeckten die Schriftsteller das Medium, um dem niedergeschriebenen Wort auch einen Aufführungsort zu erobern. So entstand das Hörspiel.

Nach dem zweiten Weltkrieg war in Deutschland die hohe Zeit des Wortkunstwerkes. Aus Schauspielerauftritten vor dem Mikrofon wurden hörfunkische Stimmen. Aber noch immer dominierte die Sprache die Hörspieldramaturgie.

Seit den späten 50er Jahren bis in die 70er Jahre aber brachten avantgardistische Audiokünstler neue Hörweisen ein: Sprache, Musik und Geräusche wurden schließlich als gleichrangig behandelt, die Stille als alles tragender Grund des akustischen Geschehens entdeckt. In radikal experimentaler Weise wurden in jener Zeit die Grenzen des Mediums hinausgeschoben.

Das heutige Hörspiel, die akustische Kunst profitiert davon, ohne immer die anstrengenden formalen Untersuchungen zum Selbstzweck zu erheben. Spielerisch werden alle Mittel eingesetzt; es darf auch mal ganz klassisch sein, denn die Sprache, auch wenn sie manchmal nur noch Geräuschmaterial besteuert, ist und bleibt ein Kernbestandteil der Akustischen Kunst.

Im Wintersemester 2011/12 haben Studierende der Universität Paderborn unter der Leitidee „surreale Hörbilder“ Hörspiele konzipiert und produziert.

„Bodenreibung“ von Ruth Tabea Detering (8:20 Min.)
Die Autorin hat ein Mikrofon hinter sich hergezogen und die Sounds von Bodenbelägen untersucht. In einer rhythmischen Kollage gelingt es ihr eine ganz eigene Welt zu schaffen, deren Grundbestandteile banal und dennoch geheimnisvoll zum Verweilen einlädt.

„WasManWennManNichts“ von Kirstin Jochmaring und Martin Boeing-Messing (9:34 Min.)

Das Hörspiel versetzt den Hörer in Situationen, in der er den Verlust der Sinne miterlebt. Die Autoren lassen Anklänge an Kafkas „Verwandlung“ und andere Texte aufklingen, entwickeln aber eine eigenständige akustische Welt bedrängender Erlebnisse.

„Tote Leidtung“ von Jessika Erika Gietz und August Klar (6:14 Min.)
In eine reale Situation bricht etwas Irrationales ein und eröffnet eine vielfältige surreale Klangszene. Am Ende kehren wir in die Alltäglichkeit zurück, die sich als eine von Medienklängen durchdrungene erweist.

„Die Sardinenpredigt“ von Max Bless und Jakob Henke (9:05 Min.)
Die Sardinenpredigt ist ein Sprachspiel, das Wörter und ihre Bedeutung zum Thema macht. Stimmen nehmen mit in eine Welt des maritimen Blödsinns.

Thomas Strauch

Suche im Journal

Artikel im Journal


Das Journal

Texte zu Produktionen der Medienpraxis oder Themen die trimedial - in Form eines journalistischen Artikels mit Pressefoto, als Hörfunk- und Fernsehbericht - aufbereitet werden, sind Hauptbestandteil des Journals.